Ein bisschen Plutonium ...

Block 2 des stark beschädigten Atomkraftwerks Fukushima Daiichi
Block 2 des stark beschädigten Atomkraftwerks Fukushima Daiichi
Das vordere, längliche Gebäude enthält die Turbine (dort wurde das bisher am stärksten belastete Wasser gefunden), dahinter steht das außen relativ unbeschädigte, dafür innen umso mehr beschädigte Gebäude mit dem Kernreaktor
Bild von digitalglobe vom 18.03.2011

... bringt wieder einmal die komplette deutsche Medienlandschaft in Wallung. Auf dieses künstliche - und tatsächlich hochgefährliche - Metall reagieren Journalisten anscheinend ähnlich, wie ein Stier auf ein rotes Tuch: Sie gehen zum Angriff über. Selbst dann, wenn die Messwerte - ausnahmsweise - mal Entwarnung zeigen.

Denn in den Medien liest man Überschriften wie: "AKW-Betreiber findet Plutonium im Boden", und dann wird über MOX-Brennelemente und die Plutonium-Produktion im laufenden Reaktor sinniert. Dabei hat TEPCO die genauen Messwerte per Pressemitteilung im Web veröffentlicht. Diese schwanken zwischen 0,4 und 1,2 Bequerel Plutonium-Gesamtaktivität (gemessen wurden Plutonium-238, -239 und -240) pro Kilogramm Erde.

Die gemessenen Plutonium-Konzentrationen liegen somit in der Größenordnung dessen, was durch den nuklearen Fallout nach den diversen atmosphärischen Atombombentests über Japan deponiert worden ist. Schätzungen zufolge beträgt der Plutonium-Anteil, der bei den Explosionen nicht gespalten wurde, sondern fein pulverisiert als Aerosol über die Erde verteilt wurde, vier bis acht Tonnen. Daraus ergibt sich eine durchschnittliche Belastung von 8 bis 16 Nanogramm Plutonium pro Quadratmeter Erdoberfläche, bzw. eine Aktivität von 18 bis 36 Becquerel pro Quadratmeter. Dieses Plutonium findet sich an den meisten Orten immer noch in den obersten Bodenschichten.

Zwar gibt es aufgrund des Isotopenverhältnisses in der Messung Anzeichen dafür, dass in Fukushima die Belastung an zwei der fünf Messstellen hausgemacht ist, aber die anderen drei Messstellen liefern genau die entgegengesetzte Interpretation. Man befindet sich mit dieser Messung zudem am Rande der Nachweisgrenze für Plutonium überhaupt.

Nun läuft in Block 3 tonnenweise Wasser umher, das nicht mit 1 Becquerel strahlt, nicht mit 10, nicht mit 100, nicht mit Tausend, nicht mit Zehntausend, nicht mit Hunderttausend, nicht mit einer Million, nicht mit zehn Millionen, nicht mit hundert Millionen, nicht mit einer Milliarden, sondern mit knapp vier Milliarden Becquerel pro Liter. Und in Block 2 sind es ähnliche Mengen an Wasser, die gar mit weit über zehn Milliarden Becquerel pro Liter bzw. Kilogramm kontaminiert sind. Damit hat man ein Problem, aber nicht mit 0,4 bis 1,2 Becquerel Plutonium-Gesamtaktivität pro Kilogramm Erde.

Die Spaltprodukte sind das Problem

Die Plutonium-Messung - so sie korrekt durchgeführt ist - bestätigt die von mir bereits von Anfang an auf der Startseite gegebene Einschätzung, dass von den MOX-Brennelementen in Reaktor 3 keine besondere Gefahr ausgeht. Plutonium-Dioxid ist sehr schwer wasserlöslich und verdampft erst bei 2.800 °C. Die bekannten Problemnuklide Cäsium-134 und Cäsium-137 bzw. Jod-131 verdampfen hingegen schon bei deutlich niedrigeren Temperaturen.

Zudem können die genannten Problemnuklide, anders als Plutonium, zudem leicht von Kühlwasser aus kaputten Brennelementen herausgelöst werden. Zusätzlich kann Kühlwasser auch Cer-144 in Bewegung setzen. Dieses hat in der aktuellen Phase, zweieinhalb Wochen nach der Abschaltung der Kettenreaktion, die doppelte Aktivität von Jod-131. Und während Jod weiter rasch zerfällt (alle acht Tage sinkt die Aktivität auf die Hälfte) bleibt Cer-144 wegen der deutlich längeren Halbwertszeit von neuneinhalb Monaten einige Jahre lang gefährlich. Schließlich hat Cer-144 zusammen mit dem Tochternuklid Praeseodym-144 die vielfache Zerfallsenergie von Jod-131: Ein Becquerel Cer-144 ist somit deutlich gefährlicher als ein Becquerel Jod-131. Zwar ist ein Becquerel Plutonium-239 noch problematischer wie ein Becquerel der zitierten Spaltprodukte, doch, wie schon gesagt, kämpfen die Techniker in Japan aktuell mit 1 Bq/kg Plutonium, aber teils über 10 000 000 000 Bq/kg Jod.

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Veröffentlichung

29.03.2011 10:00 Uhr

gau-japan.de

Blog-Einträge

Weitere Quellen und Informationen

- Nationale Medien

- Internationale Medien (englisch)

- Originalquellen

- Blogs etc.

- Fachmedien

- Explosion in Fukusima Daiichi